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Gelb-Weiße Heimat- und Freiheitslieder


Es soll in diesem Abschnitt nicht um die Wiedergabe von Liedgut gehen, das standardmäßig auf Kneipen, Kommersen oder anderen Instituten unseres Bundes gesungen wird. Die allgemein als Studentenlied titulierte Gattung findet sich für jedermann zugänglich im "Allgemeinen Deutschen Kommersbuch", welches in seiner 160. Auflage über Buchhandlungen oder den SH-Verlag (Osterather Str. 42, 50739 Köln) zu beziehen ist. Zudem sind im Handel oder über den o.g. SH-Verlag verschiedene Tonträger erhältlich, auf denen eine Vielzahl von Studentenliedern zu Gehör gebracht werden.

Vielmehr wollen wir uns Liedern widmen, die im Bund verankerte Prinzipien widerspiegeln, der Allgemeinheit aber kaum (mehr) bekannt sein dürften. Beginnen wollen wir mit Liedern, die unser niedersächsisches Heimatprinzip verdeutlichen und unterstreichen.

Es mag bei oberflächlicher Betrachtung als Widerspruch erscheinen, wenn eine burschenschaftlich gesinnte Pennalkorporation ein scheinbar partikularistisches Prinzip vertritt. Die Einheit Deutschlands stellte der alte Corpsstudent Bismarck 1871 her und nicht ohne Stolz auch auf ihren Anteil daran finden wir im "Handbuch für den deutschen Burschenschafter" (herausgegeben von Dr. Böttger im Heymanns Verlag Berlin, 1909) den Satz: "Eins nach außen, schwertgewaltig, um ein hoch Panier geschart, Innen reich und vielgestaltig, jeder Stamm nach seiner Art. Das war fortan die Lebensregel des neuen Deutschen Reiches." (Seite 170) Welchen Preis aber hatte unsere Heimat für dieses lang ersehnte Ziel gezahlt! 1866 mußte nach der letzten siegreichen Schlacht der hannoverschen Armee bei Langensalza (27.Juni) dann doch gegenüber der preußischen Übermacht kapituliert werden, das angestammte Herrscherhaus der Welfen wurde vertrieben, das Königreich widerrechtlich als Provinz dem preußischen Staate einverleibt und jedwede heimatbewußte Opposition wurde fortan schärfstens verfolgt und mit Gefängnis-, Festungshaft oder Ausweisung bestraft. Und doch: Preußen sind wir darum nicht geworden, Hannoveraner und später Niedersachsen sind wir geblieben, die aber immer bereit waren ihren Anteil an der Einheit von Volk und Staat freudig zu erbringen, wenn eben die "alte Stammesart" gewahrt werden kann. Albia Harburgensis tritt somit bis heute für ein freies, einiges, stammesstaatliches Ganzdeutschland ein.

 

Struktur der Liedersammlung

Sachsenroß am Kragen
Trutzlied der Hannöverschen Flüchtlinge in der Schweiz
Man drup, man tou, man tou
Niedersachsenlied
Hannoverland
Hannovers Königsgruß
Die Toten von Langensalza an ihre gefallenen Brüder von 1870

 

Sachsenroß am Kragen

von: H. Matthe
aus: Lieder der Deutschen Legion

Auf! Niedersachsens Söhne stärket unsere Reih'n.
Jetzt ist die Stund gekommen, die Heimat zu befrei'n
:Sachsenroß am Kragen, gelb und weiß das Band,
Niedersachsens Söhne werden wir genannt.:

Heimatliche Freiheit mußte einst vergeh'n
Was Tücke uns genommen, soll wieder neu ersteh'n
:Sachsenroß am Kragen, gelb und weiß das Band,
Niedersachsens Söhne werden wir genannt.:

Volk der Niedersachsen, durch deine Zähigkeit
möge neu erwachsen: Deutsche Einigkeit.
:Sachsenroß am Kragen, gelb und weiß das Band,
Niedersachsens Söhne werden wir genannt.:

 

Trutzlied der Hannöverschen Flüchtlinge in der Schweiz

von: Ernst Liebrecht
aus: Gelbweisse Freiheitslieder - Dem Preußentum gewidmet, München nach 1866
Melodie: Wohlauf, die Luft geht frisch und rein

Es hat der Fürst von Preußenland uns Botschaft hergesendet:
Hannover sei in sich'rer Hand, manch Herz sei umgewendet.
Wir rufen in die Welt hinein: Hier gilt kein Einverleiben!
Wir wollen keine Preußen sein, wir woll'n hannöversch bleiben!

Voigts-Rhetz - so haben sie gesagt - der soll die Zunge schärfen:
Wir sollen uns nur unverzagt der Willkür unterwerfen.
Wir rufen nein und aber nein, daß klingen alle Scheiben;
Wir rufen in die Welt hinein: Hier gilt kein Einverleiben!
Wir wollen keine Preußen sein, wir woll'n hannöversch bleiben!

Nicht heilt der Fremden Ehr' und Putz der Landeskinder Schmerzen;
Es rollt der alte Sachsentrutz noch heut' in unsern Herzen.
Was Preußen schlug in blut'gem Feld, kann auch ihr Joch zerreiben;
Wir rufen in die Welt hinein: Hier gilt kein Einverleiben!
Wir wollen keine Preußen sein, wir woll'n hannöversch bleiben!

Es gilt der Welfen uralt Recht, wir siegen oder sterben.
Wir werden nie der Preußen Knecht, wir werden sie verderben.
Sei unser Haufe noch so klein, mit Blut woll'n wir es schreiben:
Wir rufen in die Welt hinein: Hier gilt kein Einverleiben!
Wir wollen keine Preußen sein, wir woll'n hannöversch bleiben!

 

Man drup, man tou, man tou

von: Friedr. Grütter
aus: Lieder der Deutschen Legion

Als Ferdinand bei Minden stritt und ward des Sieges froh,
da halfen unsre Jungen mit und schrien: "Man tou, man tou!"

Das ward von da ihr Kriegsgeschrei; beim Angriff schrien sie so,
aus voller Kehle, Reih' bei Reih'! "Man drup, man tou, man tou."

Dann schlugen sie so mächtig drein, als wär's nur Haferstroh
und bänglich hört der Feind das schrei'n: "Man drup, man tou, man tou."

Sie schlugen, wen sie angepackt, zu Brei, - das klappt nur so,
und dabei sangen sie im Takt: "Man drup, man tou, man tou."

Das war, als wenn ein Mühlrad geht, das klappert auch so froh;
und wenn das Rädlein stille steht, heißt's auch: "Man tou, man tou."

Und wenn die Kerle liefen recht und alles eiligst floh,
so fanden sie das auch nicht schlecht und schrien: "Man tou, man tou."

Als jüngst in einer großen Schlacht der Feind vor uns entfloh,
da ist der alte Ruf erwacht, der Ruf: "Man tou, man toou."

Da fragte einer und blieb steh'n: sah'st du sie laufen? Ho?
"Ich hab' sie richtig laufen seh'n. Und nu, man tou, man tou."

Ihr Jungen von Hannoverland, bleibt fest, was Euch auch droh',
und gilt's den Kampf fürs Vaterland , so ruft: "Man tou, man tou."

 

Niedersachsenlied

von: Hermann Grote

Von der Weser bis zur Elbe, von dem Harz bis an das Meer
stehen Niedersachsens Söhne: eine feste Burg und Wehr.
Fest wie unsre Eichen halten allezeit wir stand,
wenn Stürme brausen übers deutsche Vaterland.
:Wir sind die Niedersachsen, sturmfest und erdverwachsen,
Heil Herzog Widukinds Stamm!:

Wo fielen die römischen Schergen? Wo versank die welsche Brut?
In Niedersachsens Bergen, an Niedersachsens Wut.
Wer warf den römschen Adler nieder in den Sand?
Wer hielt die Freiheit hoch im deutschen Vaterland?
:Das war'n die Niedersachsen, sturmfest und erdverwachsen,
Heil Herzog Widukinds Stamm!:

Auf blühend roter Heide starben einst vieltausend Mann,
für Niedersachsentreue traf sie des Franken Bann.
Vieltausend Brüder fielen von des Henkers Hand,
vieltausend Brüder für ihr Niedersachsenland!
:Wir sind die Niedersachsen, sturmfest und erdverwachsen,
Heil Herzog Widukinds Stamm!:

Aus der Väter Blut und Wunden wächst der Söhne Heldenmut,
Niedersachsen soll's bekunden: für die Freiheit Gut und Blut!
Fest wie unsre Eichen halten allezeit wir stand,
wenn Stürme brausen übers deutsche Vaterland.
:Wir sind die Niedersachsen, sturmfest und erdverwachsen,
Heil Herzog Widukinds Stamm!:

 

Hannoverland

von: Verfasser unbekannt
aus: Lieder der Niedersächsischen Jugend- und Heimatbünde, Hannover 1924

Hannover, du mein Vaterland, hoch sei'st du mir gepriesen,
du Heimatflur und Liebesland der Sachsen und der Friesen.

Wo ist ein Land im deutschen Reich, vor dem du müßtest weichen?
Dem du nicht ganz an Ehren gleich, und gleich an Heldenstreichen?

Ja, Vaterland, dein Ruhm erklang in Liedern und in Sagen
aus mancher Zeit voll Sturmesdrang zu uns aus alten Tagen!

Hier hat der Sachse Wittekind den Kaiser oft bezwungen;
vom Löwenherzog Heinrich sind viel Märlein hier erklungen.

Noch tönt das Lied von Waterloo, das Ruhmlied deiner Krieger,
wie starben sie so kühn, so froh, die heldenmüt'gen Sieger!

Auf Langensalzas blut'gem Feld hat einst dahin gegeben
für seinen König mancher Held sein junges, frisches Leben.

Hell strahlet uns'rer Ehre Schild, vom Lorbeerkranz umwunden,
und Lieb und Treue fest und mild, hält unser Volk verbunden.

Mag zittern auch der Feigen Troß, wir woll'n von dir nicht weichen,
stolz glänzet noch der Sachsen Roß, des Landes Siegeszeichen.

Es grüne fort dein Ehrenkranz in deiner Söhne Treue,
und blühe stets im frischen Glanz und herrlicher auf's neue!

 

Hannovers Königsgruß

aus: Lieder der Deutschen Legion
"Anmerkung: Kein Führer, kein Legionsmann darf dulden, daß nach der Weise unseres "Hannoverschen Königsgrußes" getanzt wird." Anweisung aus dem "Führerbuch der Deutschen Legion. Im Auftrage der Landesführerschaft verfaßt von Georg Ströher, Celle" Celle, 1930. Die "Deutsche Legion" war der Kampfverband der Deutsch-Hannoverschen Partei der Weimarer Republik, heute Deutsche Partei.

Ich starb als Fürst im fremden Lande und meines Königreichs beraubt:
zerissen waren heil'ge Bande, an die ich einst so warm geglaubt.
Es hat mich mancher schnöd' verlassen, auf dessen Treu' ich fest gebaut -
Doch mußt' ich früh im Tod erblassen, ich hab' getrost auf Gott vertraut.
Ich hab' als Fürst bewahrt die Ehr', es hat gesoegt mein tapf'res Heer,
mein Volk hält meine Fahne hoch, und Gott im Himmel lebet noch!

Mein teures Volk, all deine Leiden hab ich getreu geteilt mit dir,
hätt gern gelohnt mit tausend Freuden dir deine Liebe für und für.
Jetzt steh' ich nun vor Gottes Throne, und bete innig für dein Glück,
daß er dir deine Treue lohne und segnen möge dein Geschick.
Ich hab' als Fürst bewahrt die Ehr', es hat gesoegt mein tapf'res Heer,
mein Volk hält meine Fahne hoch, und Gott im Himmel lebet noch!

Wie sich das Schicksal mag gestalten - harr aus im Sturm, mein Volk, harr aus.
Ist auch mein Reich in Feinds Gewalten und öd mein einst so glücklich Haus. -
Was wahr, was frei ist, wird erstehen, dem Recht der Sieg doch werden muß;
ich send' aus lichten Himmelshöhen, mein Volk, dir meinen Königsgruß.
Ich hab' als Fürst bewahrt die Ehr', es hat gesoegt mein tapf'res Heer,
mein Volk hält meine Fahne hoch, und Gott im Himmel lebet noch!

 

Die Toten von Langensalza an ihre gefallenen Brüder von 1870

von: Friedrich Freudenthal (Mitkämpfer von Langensalza), geschrieben im Mai 1884 gelegentlich der Einweihung des Kriegerdenkmals (Füs.-Regts. Nr. 73) in Hannover
Das Füsilier Regiment Gen. Feldm. Prinz Albrecht von Preußen (Hannoversches) Nr. 73 führte in der alten Armee (bis 1918) die Tradition des Hannoverschen Garde-Regiments und des Hannoverschen 7. Infanterie Regiments fort. Die amtliche Verlustliste der Königlich Hannoverschen Armee vom 27. Juni 1866 spricht insgesamt von 4 gefallenen Offizieren und 54 Mannschaftsdienstgraden des Garde-Regiments sowie 2 gefallenen Offizieren und 15 Mannschaftsdienstgraden des 7. Infanterieregiments. Die von Freudenthal genannte Zahl von rund 400 Toten entspricht den Gesamtverlusten der Hannoverschen Truppen.

Wir reichen euch die Hände, Ihr Brüder, kühn und brav, die euch auf Frankreichs Feldern des Todes Sichel traf.
Fern sei es, daß wir fehlen an eurem Ehrentag, beim Donner der Geschütze und bei der Trommel Schlag.
An Stirn und Brust die Wunde, der Ehre blut'ges Mal, so kommen wir gezogen, vierhundert an der Zahl.
So schweben, ernste Mahner, im Arme das Gewehr, wir ungesehen, doch taktfest in Reih und Glied einher.
Wir grüßen eure Namen, die am granitnen Mal in goldnen Lettern prangen, elfundert an der Zahl.
Wir grüßen Berg und Heide, den grünen Marschenstrand, wir, deine Toten, grüßen dich, teures Vaterland!
O Land, stets unserem Herzen das liebste Land der Welt - auch wir sind einst gezogen getreu für dich ins Feld!
Was wir der Fahne schwuren, wir hielten's unverwandt - auch wir sind einst gefallen siegreich im fremden Land!
Dort wo in grünen Wiesen die Unstrut tückisch droht, dort färbte unser Herzblut des Grases Blumen rot.
Und wo beim Siechenhofe wir sprengten das Karee, da ist so manche Lippe erblaßt in Todesweh.
Uns sandten deutsche Hände das tödliche Geschoß, Blut war es deutscher Brüder, das unser Schwert vergoß!
Zu kämpfen und zu siegen, uns schien es doppelt schwer; und doch - bei eurem Feste denkt unser niemand mehr!
Uns ward in der Geschichte kein Blatt, kein Ehrensaal; verschollen sind unsere Namen - vierhundert an der Zahl.
O sagt, ist unsre Treue denn mindrer Ehre wert, als derer Treu, die jemals gefällt des Franzmanns Schwert!?
Sind wir aus Wald und Heide und aus der Marschen Tief nicht freud'gen Muts gekommen, als unser König rief?
War's für uns minder ruhmvoll, den letzten Gang zu tun, weil wir in deutscher Erde und nicht in Frankreich ruh'n?!
Es ruft das Grab; wir betten uns wieder in den Sand. Wie, ihr Kameraden! Ade, Hannoverland!
Und ward in der Geschichte uns auch kein Blatt bescheert - viel tausend treue Herzen uns halten lieb und wert!
Und ob sich gleich kein Denkmal zu unserm Ruhm erhebt - in vielen tausend Herzen doch unser Name lebt!


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aktualisiert am 02.02.2006 von webmaster2