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Kurze Geschichte der Couleurpostkarte

Am 30.11.1865 schlug der spätere deutsche Generalpostmeister Heinrich von Stephan anläßlich der V. Konferenz des Deutschen Postvereins in Karlsruhe die Einführung eines offen zu versendenden Postblatts vor. Der Vorschlag wurde jedoch abgelehnt; der offene Versand privater Mitteilungen stieß auf moralische Bedenken.

So ist die Einführung der Postkarte dem österreichischen Nationalökonom Prof. Dr. Emanuel Herrmann zuzuschreiben, auf dessen Betreiben in dem genannten Land 1869 eine Correspondenzkarte eingeführt wurde. Die Tatsache, daß ein Versand zu verbilligtem Briefportosatz möglich war, machte das neue Medium schnell populär: binnen 3 Monaten wurden 3 Millionen Stück verkauft. Der Norddeutsche Bund zog, gemeinsam mit weiteren süddeutschen Staaten, 1870 nach, konnte sich zu einer Ermäßigung des Portosatzes aber nicht entschließen. Dies erfolgte erst 1872 und verhalf der Postkarte dann auch im mittlerweile begründeten Deutschen Reich zum Durchbruch.

Es war naheliegend, die freie Rückseite der Postkarten außer mit Text auch mit Abbildungen zu versehen. Privatpersonen haben dies sicherlich bald nach Einführung der Postkarte getan. Schnell fanden sich auch Verleger für eine gewerbsmäßige Herstellung solcher Erzeugnisse. 1876 war die so entstandene Ansichtskarte etabliert.

Die zum damaligen Zeitpunkt zur Verfügung stehenden Druckverfahren erlaubten lediglich einfarbige Gestaltungen. Karten aus dieser Periode sind heute relativ selten zu finden und gelten als Vorläufer der eigentlichen Ansichtskarten.

Deren Geschichte und stürmischer Siegeszug beginnt mit der Einführung des Druckverfahrens der Farblithografie. Ab ca. 1896 stand dieses Verfahren zum Massendruck farbiger Bilder zur Verfügung und wurde insbesondere auch für Ansichtskarten genutzt. Zu diesem Zeitpunkt entstand auch die klassische Couleurkarte mit der farbigen Wiedergabe des Verbindungswappens. Diese Wappenkarten waren 1897 bereits weit verbreitet. Die baldige Anschaffung derartiger Karten gehörte auch für neugegründete Verbindungen zum guten Ton. Gerade im pennalen Bereich ist der Bestand von Verbindungen heute oftmals nur auf Grund der Existenz derartiger Karten nachzuweisen.

Eine Spezialform der Couleurkarte stellen die sogenannten Sammelkarten dar, die die Farben mehrerer Verbindungen einer Hochschule bzw. eines Verbandes zeigen. Für den pennalen Bereich weniger relevant, sind diese Karten allerdings ein wertvolles Hilfsmittel für den Studentenhistoriker.

 

Einzigartiges Informationsmedium

In Zeiten, in denen das Telefon noch nicht zur Verfügung stand, war die Postkarte das Informationsmedium schlechthin. Vom 09.08.-16.08.1900 wurden im Deutschen Reich über 20 Millionen Postkarten aufgegeben, darunter mehr als 10 Millionen Ansichts- bzw. Glückwunschkarten. Der damalige Service der Post braucht Vergleiche mit heutigen Zuständen nicht zu scheuen. Die Postlaufzeiten sind durch die seinerzeit üblichen Ankunftsstempel dokumentiert. Innerhalb des Reichsgebiets erfolgte die Auslieferung am Tag nach der Aufgabe. Eine uns vorliegende Couleurkarte war im Dezember 1900 von Berlin nach Skien in Norwegen gerade drei Tage unterwegs. In den größeren Städten erfolgte die Zustellung der Post mehrmals täglich. Es war mithin möglich, schriftliche Mitteilungen binnen eines Tages zu übermitteln.

Eine zur Datierung insbesondere unbeschriebener Karten wichtige Neuerung ergab sich 1905. War eine Seite der Karten bis dahin der Adresse des Empfängers vorbehalten, konnte sie ab 01.02.1905 auch für Mitteilungen des Absenders genutzt werden. Karten mit einer geteilten Anschriftseite sind daher notwendigerweise nach diesem Datum gedruckt. Bis ca. 1910 wurden der Adresse häufig noch ca. 2/3 der entsprechenden Seite vorbehalten; danach setzte sich dem Vorbild der amtlichen Postkarten entsprechend die hälftige Aufteilung durch.

 

Karten als Kunstform

Ihre weiteste Verbreitung erreichte die Ansichtskarte in den Jahren unmittelbar vor dem 1. Weltkrieg. Die Verbindungen in Jena wetteiferten zu dieser Zeit um besonders kunstvolle Gestaltungen, wobei die klassische Form der Wappenkarte aufgebrochen wurde. Die Entwürfe waren auf Ausstellungen des studentischen Kunstwarts zu bewundern. Auch andernorts finden sich aus dieser Zeit viele grafisch aufwendig gestaltete Couleurkarten, häufig zu besonderen Anlässen wie runden Stiftungsfesten aufgelegt.

Eine Besonderheit des pennalen Bereichs war der Zusammenschluß zu Klassenkneipen, denen naturgemäß der Lebensbundcharakter der Verbindungen fehlte. Dennoch haben auch derartige Zusammenschlüsse Couleurkarten verwendet. Ein gutes Beispiel ist die Fülle von Sekundanerkarten aus Braunschweig. Diese waren so verbreitet, daß die örtlichen Verleger hierfür Standardgestaltungen vorhielten.

 

Selbstdarstellung durch Couleurkarten

An die Blüte in den Jahren bis 1914 kann die Couleurkarte nach 1918 nicht mehr anknüpfen, auch wenn sie als Medium der Selbstdarstellung den nunmehr einsetzenden Siegeszug des Telefons als Kommunikationsmittel überlebt. Häufig werden Vorkriegskarten weiter verwendet bzw. neu aufgelegt. Neue Entwürfe bleiben zumeist im Bereich der klassischen Wappenkarte.

1924 wurde durch den Weltpostverein ein neues, größeres Format für Postkarten eingeführt (148:105 mm, DIN A6). Dieses wurde auch für einige Couleurkarten übernommen. Zumeist blieb es hier aber zunächst bei dem kleineren Format von ca. 140:90 mm. Nach 1933 kam das Verbindungsleben aufgrund der politischen Verhältnisse allmählich zum Erliegen. Solange Verbindungen noch bestanden, wurden aber weiterhin Couleurkarten gedruckt und verwendet.

Den Zusammenbruch Deutschlands 1945 haben die Verbindungen letztlich überlebt und mit ihnen die Couleurkarte. Sie ist heute sicher nicht mehr das vorrangige Medium für aktuelle Mitteilungen, wohl aber eine den Empfänger besonders erfreuende Form zur Ausrichtung von Grußbotschaften. Ihr Verschwinden angesichts der Verbreitung elektronischer Medien ist nicht zu befürchten. Vielmehr ermöglicht gerade der Computer mit Hilfe entsprechender Grafikprogramme die individuelle und kostengünstige Gestaltung von Couleurkarten auch in Kleinstauflagen. Solange es Verbindungen gibt und in ihren Reihen die Idealisten, die bereit sind, ohne Aussicht auf materiellen Gewinn Zeit zu investieren, wird die Couleurkarte nicht nur nicht untergehen, sondern eine farbenprächtige Zukunft haben.

 

Datenbank (zur Couleurpostkarten-Suche)

Unsere hier vorliegende Datenbank erfaßt die Couleurkarten von Schülerverbindungen im norddeutschen Raum. Während süddeutsche Schülerverbindungen ihren Aktivitäten mehr oder weniger offen nachgehen konnten, mußten norddeutsche Verbindungen sich meistens tarnen, wie dies aus ihren häufig den Verbindungscharakter verschleiernden Namen hervorgeht. Die wenigsten norddeutschen Schülerverbindungen waren im Stande, nach 1945 den Aktivenbetrieb wieder aufzunehmen. Erst seit den 1980er Jahren ist hier ein gewisses Wiederaufleben spürbar, wobei es sich durchweg um Neugründungen handelt. Es ist uns daher wichtig zu zeigen, daß auch an Norddeutschlands Schulen das Verbindungswesen dermaleinst geblüht hat.


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aktualisiert am 02.02.2006 von webmaster2